Text zur Ausstellung

Foto: Bernd Bogensberger

Ausstellungstext von Klaus Neundlinger

…Gesellschaft in der Schwebe – Morphologie des Beziehungsgeflechts: Wir sind unter-einander nicht nur verbunden, wir hängen voneinander buchstäblich ab. Dies führt uns Zsuzsanna Balla mit ihrer Installation vor Augen. Das Beziehungsgeflecht, ob es nun die Figuren aus dem Roman von der Gelben Straße sind oder reale Personen, hat eine Grundform: die wechselseitige Abhängigkeit. Allerdings ist es eine Gesellschaft in der Schwebe. Abhängigkeit heißt also nicht, dass jede Beziehung bis ins letzte bestimmt ist. Im Gegenteil, es eröffnet uns der globale Raum der Kommunikation im Vergleich zu früheren Epochen eine Vielzahl an zusätzlichen Möglichkeiten, miteinander in Beziehung zu treten. Das führt immer öfter zur Überforderung, zum Rückzug aus sozialen Zusammenhängen, zum Burnout, in die Depression.

Die wechselseitige Abhängigkeit kann also Reichtum bedeuten, auch in historischer Hinsicht, im Sinne einer lebendigen Aneignung vergangener Epochen, im Sinne einer bereichernden Bezugnahme auf die Vergangenheit, auf die Toten, die wir gekannt oder von denen wir nur gelesen haben. Sie kann aber auch zur Belastung werden, zur Heimsuchung. Es liegt also an uns, aus der unbestimmten Abhängigkeit einen Zusammenhang zu entwickeln, unsere Beziehungen mit Sinn zu füllen, jenseits einer Facebook – getriebenen Kommunikations-Hysterie…

(Klaus Neundlinger / Zur Materialität von Gut und Böse / Eröffnungstext Basis.Kultur.Wien)